Ein Tag im Wald - wir planen ein Abenteuer (Teil 2)

Gastbeitrag Alexandra Knoch

Wie im letzten Blogbeitrag berichtet, planen wir mit unserer Gruppe Drei- bis Sechsjähriger aus der Kita am Wald e.V. (Castrop-Rauxel) einen Tag im Wald zu verbringen. Nachdem die Idee geboren war, galt es natürlich die Leitung und die Eltern unserer Kinder zu informieren und zu schauen, ob sie unsere Idee auch tatsächlich unterstützen würden.

Wie reagiert unsere Leitung?
Mit der Leitung der Kita am Wald, Nina Bredendiek, sprachen wir in einer Teamsitzung. Da sie selbst viel Zeit mit ihren Hunden (der Therapiehündin Gwenny und der Begleithündin Coco) und ihrem Pferd in der Natur verbringt, erwarteten wir, dass sie zumindest interessiert sein würde. Wir beschrieben unsere Idee, die bisherige Zusammenarbeit mit den Kindern und eine erste grobe Planung des Ablaufs. Tatsächlich mussten wir nicht viel Überzeugungsarbeit leisten: Frau Bredendiek war sofort begeistert und brachte gleich eigene Ideen für so einen Tag ein. Sie fragte uns, ob wir uns vielleicht sogar vorstellen könnten, regelmäßig einen Waldtag stattfinden zu lassen, vielleicht einmal im Monat. Da wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen konnten, was dabei auf uns zukäme, einigten wir uns zunächst auf einen Waldtag ‘auf Probe’ und darauf, uns im Anschluss darüber auszutauschen. Unabhängig von einer Regelmäßigkeit versprach sie jedoch sofort, uns in jeglicher Hinsicht zu unterstützen.

Was sagen die Eltern zu der Idee?
Den Eltern der Kinder berichteten wir von unserer Abenteueridee an einem Elternabend (“Endlich wieder ein Präsenzelternabend”, 25.09.2021). Ohne Ausnahme wurde die Idee von den Eltern sehr positiv aufgenommen. Etliche Eltern wählen die “Kita am Wald” bewusst wegen der Nähe zur Natur (regelmäßige Nutzung des Castroper Holzes, tiergestützte Arbeit, viel im Freien etc.) für die Betreuung ihrer Kinder aus. Wenn sie ihre Kinder abholen, finden sie ihre Kinder häufig dreckverschmiert vom Spiel in der Natur vor. Sie sehen - genau wie wir - hinter erdverschmierten Händen und geröteten, schmutzigen Wangen auch das intensive Spiel im Freien, die Auseinandersetzung mit der Natur und die Vorteile für die physische und psychische Gesundheit ihrer Kinder.  Eine Mutter sprach mich nach dem Elternabend noch einmal im privaten Rahmen an. Ihr gefiel die Idee, einen ganzen Tag im Wald zu verbringen so gut, dass sie die Idee für die Kinder ihrer Familie und die ihrer Freunde ebenfalls umsetzen wollte.

Gute Vorbereitung ist alles
Auf die Empfehlung dieser Mutter hin setzte ich mich mit dem Thema “Waldbaden” auseinander und nutzte das Buch “Wir lieben Waldbaden mit Kindern. Waldbaden. Wissen, Aufgaben und Erlebnistagebuch für die ganze Familie” von Jasmin Schlimm-Thierjung, Cornelia Wriedt und Diana Lazaru, um mich über die sinnliche Wahrnehmung des Waldes und dessen Nutzen zu informieren. Sie gab mir darüber hinaus den Tipp, dass über das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kostenlos Waldfibeln zur Verfügung gestellt würden. Darin sind Informationen über Pflanzen und Tiere des Waldes in einfacher Sprache für Kinder zusammengestellt.
Um weitere Planungen, die wir gemeinsam mit den Kindern anstellten, weiterhin auch für die Eltern transparent zu machen, richteten wir mit den Kindern einen kleinen Ausstellungstisch vor der Infotafel im Flur ein. Auf diesem Tisch sind Bücher zum Thema ‘Wald’ ausgestellt, die wir uns bereits mit den Kindern angeschaut hatten, aber auch Sachbücher, die für Eltern interessant sein könnten: mit Themen wie: Buden Bauen: 50 Ideen für Wiese, Wald und Strand (Jo Schofiled und Fiona Danks);  Basteln mit Naturmaterialien (Susanne Pypke),.:Basteln mit Natur. Kunterbunte Kreativideen für Kinder.(Pia Deges). 
Gemeinsam entschieden wir mit den Kindern eine ‘Waldmappe’ anzulegen, die unseren Waldtag und die Vor- und Nachbereitung dokumentieren sollte. Diese Mappe konnten die Kinder jederzeit anschauen, aber auch allein oder mit einer Erzieherin daran arbeiten. Die Kinder malten unter anderem das gefundene Tipi, ihre Eindrücke vom Wald, Waldtiere etc. Während  des gemeinsamen Arbeitens an der 'Waldmappe' unterhielten wir uns über unsere Erwartungen an den Tag im Wald. Die Kinder stellten unsere ‘Waldregeln’ visuell in Bildern dar und ergänzten sie um die neue Regel: ‘Wir achten gut auf Tiere und Pflanzen’. Auch Einpacklisten und eigene Ideen der Kinder sind in der Mappe zu finden. Die Erzieherinnen arbeiteten ebenfalls an der ‘Waldmappe’, indem sie Beschreibungen stattgefundener Aktionen und Fotos hinzufügten. Das gemeinsame Arbeitsergebnis konnten sich die Eltern jederzeit anschauen, da der Ordner auf dem ‘Waldtisch’ im Flur aufbewahrt wird.

Wald im Gruppenalltag
Neben diesen Vorbereitungen und Planungen wurde das Thema ‘Wald’ auch im Gruppenalltag aufgegriffen. Die Kinder malten Bäume an die Fenster und schmückten diese mit selbstgebastelten Eulen. Eine gemalte Wiese wurde mit gebastelten Igeln verziert. Wir hängten trockene Äste an die Gruppenraumdecke und bastelten mit den Kindern Fliegenpilze, die an die Äste gehängt werden konnten. Auch bei unserem diesjährigen Laternenbasteln greifen wir das Thema 'Wald' auf: Wir basteln Fuchs-Laternen aus beklebten PET-Flaschen.

Trotz guter Planung gibt es Unsicherheiten
Eine gute und umfassende Planung und Vorbereitung sind wichtig für ein gutes Gelingen. Da der Tag im Wald für Kinder, Eltern aber auch für uns, in unserer Position als Erzieherinnen, aber auch für uns persönlich eine ganz neue Erfahrung sein wird, gibt es in vielen Köpfen Unsicherheiten, über die wir uns austauschen mussten. Die Kinder beschäftigten insbesondere drei Fragen:
1. Müssen/Können wir dort schlafen?
2. Gibt es dort etwas zu essen?
3. Wo gehen wir auf die Toilette?
Diese Fragen konnten wir leicht beantworten:
1. Wir schlafen dort nicht!
2. Wir nehmen genügend Essen und Getränke für euch mit!
3. Wir sorgen dafür, dass ihr auf ‘die Toilette’ gehen könnt!
Die Unsicherheiten der Eltern waren allerdings nicht so leicht zu beantworten, da sie auch uns als Erzieherinnen umtrieben:
1. Was sollen die Kinder anziehen, damit sie warm und trocken bleiben?
2. Was ist, wenn das Wetter zu kalt/zu nass/zu stürmisch sein wird?
3. Wie gehen wir damit um, wenn den Kindern langweilig wird?
4. Wie wickeln wir Kinder?
Wir Erzieherinnen fragten uns:
1. Was wir an zusätzlichem Spielmaterial bräuchten?
2. Müssen wir Spiele o.ä. vorbereiten?
3. Bleiben wir an einem Ort oder wechseln wir den Standort mehrmals?
4. Wie transportieren wir das umfangreiche Equipment?
5. Wann werden die Kinder wohin gebracht und wann und wo abgeholt?

Jetzt kann der Waldtag kommen!
Trotz der Unsicherheiten auf allen Seiten mussten Nägel mit Köpfen gemacht werden. Also legten wir fest: Der Waldtag wird am 11.10.2021 von 9-15 Uhr stattfinden und nur im Fall von Sturmwarnungen verschoben werden. Die Kinder werden um 08.30 Uhr in warmer Regenkleidung und mit einem Kinderrucksack mit einer Trinkflasche und einer Garnitur Wechselwäsche erwartet.
Im nächsten Beitrag berichte ich Ihnen dann, wie der Waldtag abgelaufen ist: Was gut und was schlecht gelaufen ist, was wir noch verbessern können und ob er wirklich regelmäßig stattfinden wird? Und selbstverständlich auch davon, wie das Abenteuer bei den Kindern ankam.

Links und weitere Informationen: Fotos: Alexandra Knoch - Hier finden Sie die Kita am Wald in Castrop-Rauxel im Netz und hier eine Übersicht über alle Blogbeiträge zur Kita am Wald.


Themen: Berichte aus der Praxis, Kita am Wald e.V., Pädagogische Themen

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Michael Schrader

pragma GmbH

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