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Was sehen wir eigentlich? Von Zoom bis Weitwinkel – pädagogische Perspektiven der Qualitätsbewertung

Während der Begleitung von Qualitätszirkeln erleben wir bei pragma , wie unterschiedlich pädagogische Situationen wahrgenommen und bewertet werden. Genau darin liegt eine besondere Stärke dialogischer Qualitätsentwicklung: Unterschiedliche Perspektiven machen sichtbar, wie Kinder den Alltag tatsächlich erleben. Der Beitrag lädt dazu ein, Bewertung nicht als Kontrolle einzelner Fachkräfte zu verstehen, sondern als gemeinsamen Reflexionsprozess über pädagogische Qualität im Team, in der Gruppe und in der gesamten Einrichtung. Zwischen Zoomblick auf konkrete Alltagssituationen und Weitwinkel auf Haltung, Zusammenarbeit und Konzeptentwicklung entsteht so ein vielschichtiges Verständnis von Qualität – orientiert an dem, was beim Kind ankommt.

Qualität entsteht dort, wo unterschiedliche Sichtweisen ins Gespräch kommen

„Wie bewerten wir eigentlich unsere pädagogische Arbeit?“
Diese Frage klingt technisch – nach Wertstufen und datenbankbasiert. Objektbasiert. Kind im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit ist viel subjektbezogener. Es geht um: Wahrnehmung, Haltung, Erfahrung und Dialog.

Im Bewertungsalltag mit Kitas erleben wir immer wieder, dass unterschiedliche Bewertungen zunächst irritieren. Während eine Fachkraft sagt: „Das klappt bei uns schon richtig gut“, erlebt eine andere denselben Prozess als „noch ausbaufähig“. In den Steigerungen der Wertstufen liegt jedoch eine große Chance: Qualität wird sichtbar, wenn Perspektiven sichtbar werden.

Dabei ist mir ein Gedanke besonders wichtig:
Im pragma-indikatoren-modell (pim®) geht es nicht darum, einzelne Menschen zu bewerten. Eine Einschätzung im Team bedeutet nicht: „Ich bin gut“ oder „ich bin nicht gut genug“. Vielmehr richtet sich der Blick auf das gemeinsame pädagogische Handeln – auf Abläufe, Zusammenarbeit, Haltung und die Bedingungen, die Kinder täglich erleben.

Denn die Qualität von Pädagogik zeigt sich auf unterschiedlichen Ebenen: Im Metablick von Konzeptpapieren, auf der Makroebene der gemeinsamen Haltung im Team oder im Mikroblick der einzelnen Beobachtungen- vor allem in dem, was beim Kind ankommt.

Oder anders gesagt:
Nicht die einzelne Fachkraft allein gestaltet Qualität, sondern das Zusammenspiel im Team, in der Gruppe, in der Organisation.

Im pragma-indikatoren-modell (pim®) wird Bewertung deshalb bewusst nicht als Einschätzung von einzelnen Personen verstanden. Auch wenn jede Fachkraft ihre individuelle Perspektive durch die Bewertung einbringt, richtet sich der Blick auf die gemeinsame pädagogische Praxis der Gruppe, des Teams und der Einrichtung. Bewertet wird also nicht: „Wie gut mache ich meine Arbeit?“, sondern vielmehr: „Wie gestalten wir gemeinsam unseren Alltag – und was erlebt das Kind dabei durch uns?“
Denn Kinder erfahren Qualität nicht punktuell durch einzelne Fachkräfte, sondern im Zusammenspiel von Beziehungen, Abläufen, Haltung, Sprache und Zusammenarbeit. Genau deshalb setzt pragma auf dialogische Qualitätsentwicklung: Unterschiedliche Wahrnehmungen einzelner Fachkräfte helfen dabei, die gemeinsame Praxis sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln.

Das pragma-indikatoren-modell (pim®) versteht Bewertung deshalb nicht als Kontrolle, sondern als gemeinsamen Controlling- und Reflexionsprozess. Im Mittelpunkt steht die Frage:

„Was macht gute Arbeit in unserer Einrichtung aus – und wie können wir diese gemeinsam weiterentwickeln?“

Michael Schrader beschreibt dies in seinem Buch „Kita-Qualität im Team gestalten“ als einen dialogischen und praxisnahen Zugang zu Qualitätsentwicklung. Qualitätsmanagement soll nicht neben dem Alltag stehen, sondern diesen unterstützen:

„Das umfangreichste QM-System nützt nichts, wenn es sich nicht als praxistauglich erweist.“

Besonders spannend wird Qualitätsentwicklung dort, wo unterschiedliche Perspektiven ausdrücklich erwünscht sind. Denn Leitung, Fachkräfte, Träger oder Fachberatung schauen oft aus verschiedenen Blickwinkeln auf dieselbe Situation. Diese Vielfalt ist eine Ressource- kein Problem.

Im pragma-Indikatoren-Modell werden deshalb Bewertungen nicht isoliert betrachtet. Unterschiedliche Einschätzungen werden besprochen, eingeordnet und gemeinsam reflektiert. Die pragma-Website beschreibt dies so:

„Sich zunächst über den IST-Stand zu verständigen, unterschiedliche Einschätzungen/Bewertungen der Fachkräfte zu besprechen und gemeinsame Sichtweisen zu entwickeln …“

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Perspektiven auf Bewertung:
Sie muss nicht perfekt sein. Aber sie sollte ehrlich, dialogisch und entwicklungsorientiert sein.

Ein Beispiel aus dem Kita-Alltag zeigt das gut:
Bei der Bewertung der Mahlzeitensituation sagt eine Fachkraft vielleicht: „Ich achte immer darauf, dass Kinder mitentscheiden dürfen. “In der gemeinsamen Reflexion wird der Blick jedoch weiter: Wie erleben Kinder die Mahlzeiten insgesamt bei uns als Einrichtung? Können sie selbst schöpfen? Entscheiden sie über Menge und Tempo mit? Gibt es Gesprächsatmosphäre? Werden unterschiedliche kulturelle Essgewohnheiten sichtbar und respektiert? Was passiert, wenn ein Kind keinen Hunger hat oder etwas nicht probieren möchte?

So entsteht der Wechsel vom „Ich mache das doch“ hin zur gemeinsamen Perspektive:
Wie gestalten wir Teilhabe als Team – und was erlebt das Kind im Zusammenspiel unseres Alltags tatsächlich? Gerade in solchen Alltagssituationen wird Qualität für Kinder unmittelbar erfahrbar.

Denn Qualität wächst nicht durch die „richtige Wertstufe“ , sondern durch gemeinsames Nachdenken über pädagogische Wirklichkeit.

Reflexionsfragen für Teams

  • Welche Unterschiede erleben wir in unseren Bewertungen?
  • Wo überraschen uns die anderen Sichtweisen?
  • Wann fühlen sich Bewertungen persönlich an – und wie gelingt der Wechsel zur gemeinsamen Perspektive?
  • Was lernen wir daraus über unsere Zusammenarbeit?
  • Was kommt bei den Kindern tatsächlich und konkret an?
  • Welche Perspektiven fehlen uns vielleicht noch?

Impuls zum Mitnehmen

Qualitätsentwicklung beginnt oft nicht mit einer Antwort, sondern mit der neugierigen Frage:
„Wie siehst du das eigentlich?“

Weitere Informationen zum pragma-indikatoren-modell finden Sie hier sowie im Buch „Kita-Qualität im Team gestalten“ von Michael Schrader.

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